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Ein Rundgang durch die Chemnitzer Arche Noah

Über 10ha ist der Tierpark Chemnitz mittlerweile groß. Eine grüne Oase am Rande der Großstadt, geschaffen in einem ehemaligen Sumpfgebiet. Ein Auf und Ab des Geländes kennzeichnet die Landschaft ebenso wie tiefes, sattes Grün der alten Eichen und Buchen die das Tierparkgelände beschatten. Kein Stadtzoo also, mit von Gärtnerhand beschnittenen Rabatten, sondern ein Stück Natur mit harmonisch eingearbeiteten Tiergehegen und ab und zu, als Blickfang und Ruhepunkt für das Auge, liebevoll gehegte Blumen und Ziergewächse. Hier ist die Heimat von 1700 Tieren in mehr als 160 Arten, werden Lebensräme und Refugien geschaffen für Geschöpfe, die in freier Natur kaum noch oder gar nicht mehr zu finden sind.

Unser Rundgang soll Ihnen Anhaltspunkte und Empfehlungen geben, auf Besonderheiten und zukünftige Entwicklungen aufmerksam machen und Ihnen einige wichtige Tierarten vorstellen. Eine detaillierte und informative Darstellung besonders interessanter und charakteristischer Tiere finden Sie auf den folgenden Web-Seiten.

Nach dem Passieren der Kasse fällt zunächst im üppigen Grün des Bachlaufs ein seltsames Gewächs ins Auge. Unser Spendenbaum, mit einem Stamm aus geschäter Robinie und einer Vielzahl von Ästen und Blättern geschmückt, steht für das wachsende Spendenaufkommen zugunsten des Chemnitzer Affenwaldes und natürlich für das Engagement der Chemnitzer Unternehmen und der Bevölkerung. Namhafte Unternehmen aber auch viele private Spender haben schon zum Wachstum beigetragen. Ab 5,- EUR kann auch Ihr persönliches Blatt unseren Baum zieren.

Unweigerlich fällt der Blick danach auf die Freianlage der Grantzebras, die ihr Haus mit den ebenfalls in afrikanischen Savannen beheimateten und extrem bedrohten Somaliwildeseln teilen. In näherer Zukunft werden beide Anlagen verbunden und als großügige Afrikasavanne einer gemischten Gruppe typischer Steppenbewohner dieses Kontinents Heimat bieten.

Sehr wohl fühlen sich unsere Rosaflamingos in der naturbelassenen Sumpfanlage, deren schlammige, dicht bewachsene Ufer ihren Nistgewohnheiten auf Schlammkegeln entgegenkommen. Die rechterhand zu sehende Voliere ist ein Provisorium und wird gemeinsam mit dem oberhalb gelegenen Schweinehaus dem Streichelzoo weichen. Bis dahin beherbergt das Schweinehaus jedoch noch die äußerst selten gehaltenen Weißbartpekaris, eine kleine und äußerst agile Schweineart aus Südamerika. Diese werden später in einer artgerechten Anlage in der Nähe des Wirtschaftshofes untergebacht sein. In besonderer Weise symbolisiert das 1996 eingeweihte Vivarium den Arche Noah-Gedanken des Tierparks Chemnitz. Hier in vielfältig gestalteten Minibiotopen, die sich in die Klimazonen Tropen, Subtropen und Paläarktis gliedern, kann der Besucher die so zerbrechliche wirkenden Amphibien der Welt in aller Formen- und Farbvielfalt hautnah erleben. Vom winzigen, jedoch hochgiftigen Baumsteiger bis zur massigen Agakröte werden unterschiedliche Varianten amphibischer Lebensprinzipien nahegebracht. Durch die große Anzahl der gehaltenen und gezüchteten äußerst selten Arten wie Roter Tomatenfrosch oder Riesensalamander ist das Vivarium eine Miniarche innerhalb des Tierparks. Einzigartig in ganz Europa und von über 70 interessanten Frosch- und Lurcharten bewohnt, hat es sich in den vergangenen fünf Jahren zu einer Hauptatraktion entwickelt. Vor dem Umbau zum Vivarium waren hier übrigens die Reit- und Zugpferde des Tierparks untergebracht. Nach Fertigstellung des Streichelzoos sollen wieder Reitpferde in den Tierpark einziehen und die Gehege und Stallungen am Haupteingang mit Ponys und Hauseseln teilen. Hinter dem Vivarium befindet sich mit dem Wirtschaftshof, wenn nicht das Herz, so doch der Bauch des Tierparks mit Futterlager und -küche.

Auf den Hauptweg zurückgekehrt, können Sie auf einer Sumpfwiese Europäische Weißstörche erleben, die besonders im Frühjahr mit ihren lautstarken Balzspielen, dem typischen Storchenklappern, für Aufsehen sorgen. Einen interessanten Kontrast zu diesem wohlbekannten, aber bedrohten "Charaktervogel" Deutschlands bildet der genau gegensätzlich gefärbte Schwarzstorch, ein äußerst seltener Waldbewohner und damit ein echtes "Archetier". Der kleine Entenbrunnen weist bereits auf den Wasservogelteich hin, der von einer bunten Mischung unterschiedlicher Enten- und Gänsearten besiedelt wird. Hier, im Weidendickicht kleiner Inseln, lassen sich hervorragend unterschiedliche Spezialisierungen innerhalb der Gänsevögel beobachten. Tief im Wasser liegende Tauchenten, wie die Schellente, lassen sich von den langgestreckten, flach im Wassern liegenden Gründelenten, wie unserer einheimischen Stockente, unterscheiden. Langhalsige und langschnablige Gänse, wie die Weißwangengans, bilden einen deutlichen Kontrast zu den kompakten Halbgänsen, wie die Rothalsgans, die es in puntco Farbigkeit mit jedem Papagei aufnehmen kann. Neugierig beäugt werden die watschelnden Teichbewohner von den im gegenüberliegenden Haus untergebrachten Nordchinesischen Leoparden, einer kräftig gefärbten Variante dieser Art.

Nach dem Passieren der Unritzbrücke betreten Sie nicht nur die Ufer der Gemarkung Rabenstein, sondern überqueren auch ein Gewässer, das schon den Sorben, die hier im Ort Oneritz wohnten, als Fischbach diente.

Auch auf der Rabensteiner Seite können Sie nicht nur ein echtes "Archetier" erleben, sondern lernen mit den Przewalskipferden gleichzeitig (wie in einer Zeitreise) den Urahn und Stammvater aller Hauspferde - von Pony bis Kaltblut - kennen.

Die gegenüberliegende Streichelwiese ist seit Jahrzehnten beliebte Begegnungsstätte von Großstadtkindern und Tieren. Zwergziegen und Kamerunschafe nehmen gern Körperkontakt zu den kleinen Gästen auf, ein Fluchtzaun gibt ihnen jedoch stets die Mögilchkeit vor allzu aufdringlichen Besuchern auszuweichen.

Mit Fertigstellung des Streichelzoos wird hier kurzfristig eine Australienwiese entstehen, die Steppentiere des fünften Kontinets wie Kängurus und Emus in natürlichem Zusammenleben zeigen wird.

Ein weiteres Wahrzeichen des Tierparks, und wiederum eine kleine "Arche Noah", ist das Krallenäffchenhaus. Vier Arten dieser kleinsten Primaten der Welt können hier zwischen bepflanzten Innen- und Außengehegen wählen. Artgerechte Familiengruppen fast immer mit Jungtieren, erlauben das Beobachten des reichhaltigen Verhaltensspektrums. Dazu gehören die winzigen Zwergseidenäffchen, die kleinsten Affen der Welt.

Rechterhand sehen Sie den neubebauten Erweiterungsteil des Tierparks. Umrahmt von mächtigen Eichen und eingebettet in gärtnerische Anlagen erwarten Sie hier tropische Papageien und farbenprächtige Fasane. 12 verschiedene, in ihrer Heimat zum Teil stark bedrohte Formen wie Temminck-Tragopan oder Gelbbrustara haben hier in geräumigen Volieren ihr Domizil gefunden. Direkt daneben lädt die Tierparkschule zu lebendigem Biologieunterricht und einer Menge von Freizeitangeboten ein.

Ein großes Wasserbecken inmitten eines naturbelassenen Waldhanges ist das Kernstück der neuen Bärenanlage. Hier lebt komfortabel auf 800qm, die Grizzlybärin Kitty, seit dem Tod ihres Partners, leider allein. Eine Vergesellschaftung mit jüngeren Tieren ist bei diesen Einzelgängern nicht möglich. Kitty, eine ältere Dame, die jahrelang in der engen alten Bärenburg leben musste, erhält in dieser schönen Umgebung ihr Gnadenbrot.

Oberhalb der Aussichtsplattform lockt lautes Affengeschnatter und Gezwitsche tropischer Vögel die Besucher ins Tropenhaus, wo Sie inmitten üppiger Bepflanzung entlang eines Dschungelpfades ca. 15 typische Vertreter von Tieren tropischer Wälder entdecken können. Zwergflusspferde, Klammeraffen, Brauenkaimane und Rote Piranha.

Zurück im "alten" Tierpark steigt das Gelände steil an, der lockere, parkartige Bewuchs wechselt zum dichten Laubwald. Inmitten der großen Eichen und Buchen, nur durch einen Zaun getrennt, schleichen unsere Sibirischen Tiger durchs Gelände. Ihr Haus wurde 1998 durch eine über Spenden finanzierte, offen gestaltete Anlage ergänzt, die eine ungestörte Beobachtung dieser riesigen Raubkatzen ermöglicht. In drei weiteren Häusern, die zwar nicht mit soviel Komfort, jedoch mit geräumigen Außenkäfigen ausgestattet sind, leben Indische Löwen, die asiatische Variante dieses Raubtiers, und Nordpersische Leoparden, allesamt in ihrer Heimat vom Aussterben bedroht.

Die großzügigen Volieren, linkerhand harmonisch in einen steilen Berghang eingefügt, beherbergen seltene Eulen und Greife wie den eindrucksvollen Bartkauz oder den kräftigen Steppenadler.

Zurück auf dem Hauptweg erwartet Sie bei "Richters Tierparktreff" nicht nur eine erfrischende oder stärkende Rast, sondern hier sehen Sie mit der alten "Bärenburg auch eines der ältesten Gebäude des Tierparks. Die mächtigen Felsen sollen das Kernstück des neuen Affenwaldes bilden, eines Biotops, das den gesamten Waldhang umfassen wird und Sie eine große Familiengruppe beispielsweise Japanmakaken fast hautnah erleben lässt.

Gegenüber, wo in einer wildbewachsenen Anlage unsere Rotnackenwallabys oder Bennettkängurus, viele mit Jungtier im Beutel, ein Stück Australien erahnen lassen, zweigt der Weg zur Katzenanlage ab. Unter großen Bäumen beherbergen bepflanzte Volieren seltene Verwandte unserer Hauskatzen. Die kräftigen pinselohrigen Luchse, hier mit Karpatenluchs und Sibirischen Luchs in zwei Formen vertreten, lassen sich mit kleinen Vertretern wie Rohrkatze, Amurkatze und Omankatze, die wiederum Archetiere und vom Aussterben bedroht sind, vergleichen. Hier ist neben dem Raubtierwirtschaftshof auch die neue Besuchertoilette zu finden.

Aus dem Dickicht des Waldes führt der Weg nun quasi ins Hochgebirge. Große Felsbrocken und steile Hänge kennzeichnen die weitläufige Anlage der Bergtiere. Hier laden neben Westkaukasischen Steinböcken, die zwischen den Felsen ihre Jungtiere aufziehen, auch Schneeziegen zu einer Reise in den Himalaja ein. Auch diese Art ist vom Aussterben bedroht, fühlt sich in Chemnitz aber so wohl, dass schon mehrfach eines der wunderschönen, plüschigen weißen Jungtiere aufgezogen wurde.

Wie in der Natur leben in der Arktis-Voliere Schneeeulen und Polarfüchse zusammen. Hier können Sie das Verhalten dieser Nahrungskonkurrenten im arktischen Frost erfahren. Schlupflöcher und getrennte Futterplätze vermeiden eventuell folgenreiche Auseinandersetzungen. Von den Tundren des Nordens zu den Steppen Zentralasiens entführen uns Trampeltiere, die zweihöckrigen Kamele Asiens und die seltenen Kulane, die nur noch in wenigen Herden durch die Mongolei streifen. Einen interessanten Vergleich dazu sehen Sie in den afrikanischen, einhöckrigen Dromedaren. Direkt daneben entsteht die neue Anlage für Somaliwildesel. Unsere Wisente haben schon ihre Anlage im Wildgatter bezogen, wohin im Vorfeld bereits die Wölfe und Mufflons des Tierparks umgezogen sind.

Anoas, die kleinsten Wildrinder der Welt, erleben Sie nebenan. In Sulawesi, ihrer tropischen Heimat, fast ausgerottet, leben einige Tiere in der Chemnitzer Arche. Fast die letzten ihrer Art sind auch die im benachbarten Hirschhaus und den schönen angeschlossenen Waldgehegen untergebrachten Prinz-Alfreds-Hirsche und Mesopotamischen Damhirsche, die Sie in kaum einem anderen Zoo Deutschlands erleben können. Alle diese Anlagen, obwohl großügig angelegt, werden in nächster Zeit überarbeitet, Gitter werden fallen und ungehinderte Blicke aus verschiedenen Perspektiven auf biotopgerecht zusammengestellte Tiergruppen mit natürlichen Verhaltensweisen freigegeben.

Entlang des Steilhanges der Steinböcke sehen Sie am Unritzbach noch ein Relikt aus frühester Tierparkzeit. Im alten Affenhaus leben derzeit noch Rhesusaffen (die Traditionstiere des Tierparks) und südamerikanische Nasenbären, wohl die neugierigsten und aufgewecktesten der Kleinbären. Diese Gehege werden bald einer größeren Anlage für unsere Nasenbären Platz machen.

Die Steppenadler, Jäger der asiatischen Steppen, bewohnen bereits eine große Flugvoliere und haben hier auch schon wiederholt Jungtiere aufgezogen.

Hier endet der Tierparkrundgang. Wir würden uns freuen, wenn Sie jetzt noch eine Weile in der Chemnitzer Arche Noah verweilen, ein wenig Naturerlebnis mit nach Hause nehmen und wir Sie bald wieder begrüßen dürfen zu einem neuen Abenteuer Zoo.
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